Freitag, 24. Oktober 2014

Dodo-Island – Die indische Hochzeit




Wie bereits gesagt, ist der eigentliche Grund für die Reise ins Paradies die indische Hochzeit von Mrs Branson‘s bestem Freund. Die erste Herausforderung am ersten Tag der Hochzeit ist zum Haus der Braut zu kommen. Wie wir erfahren, gibt es auf Mauritius keine Hausnummern – das würde die Sache ja erheblich erleichtern… So versuchen wir mit Händen, Füßen, Englisch und dürftigem Französisch dem Taxifahrer zu beschreiben, dass wir zu einem gelben Haus mit Hochzeitslichtern gegenüber einem Shop müssen. Ja, so beschreibt man auf Mauritius wo man hin will. Wie man das bei Google Maps eingeben soll ist mir allerdings ein Rätsel.
Der junge Taxifahrer weiß aber mehr oder weniger wo wir hinmüssen und beginnt gleich eine Konversation. Unhöflich wie er ist fragt er uns gleich mal nach unserem Alter und in welchem Alter man in Österreich denn generell heiratet. Er ist 24 – wie wir dann erfahren – und studiert irgendwas mit IT. Der nächste Herr Zuckerberg also. Vielleicht eine gute Partie. Wieso regieren wir denn so abweisend? Aber noch ist nicht alles verloren, denn er gibt uns seine Karte, damit wir uns mit ihm auf Facebook befreunden können. Sein Nachname ist Khan. KHAAAAAN! Alleine deswegen sollte ich mich mit ihm auf Facebook befreunden.   
Nach einer spannenden Taxifahrt inkl. Landschafts-Audiokommentaren kommen wir bei besagtem gelbem Haus der Braut an. Ich kenne niemanden, weil ich ja nur Plus Eins bin, aber ich werde mit offenen Armen empfangen. Gleich als wir das Zimmer betreten, werden unsere Saris bewundert: „Who dressed you?“
Ich: „Youtube…“
Sie: „It’s flawless!“
Gott sei Dank habe ich anscheinend das richtige YouTube Video angeklickt. Puh.
Da es sich um eine sehr große Familie handelt plädiere ich dafür, dass es Namenskärtchen mit dem Verwandtschaftsgrad gibt. Am besten vielleicht mit Stammbaum? Leider bleibt mir dieser fromme Wunsch verwehrt. 





Nach einem besonders guten Tee, finden wir uns im Tempel wieder, wo die Hochzeitszeremonie stattfindet. Die Musikbegleitung ist eine Trommel und ein Instrument, das aussieht wie eine überdimensionale Oboe und recht ohrenbetäubende Quietschlaute von sich gibt. Da bevorzuge ich dann doch die klassische-abgedroschene Hochzeitsmusik von Wagner oder Mendelssohn-Bartholdy. Die gesamte Zeremonie dauert 2 Stunden und ist mit einer Hochzeit in unseren Breitengraden nicht im Geringsten zu vergleichen. Es ist mit Abstand die skurrileste Trauung, die ich je gesehen habe: Das Brautpaar sitzt erhöhe auf einer Art Bühne, welche prachtvoll geschmückt ist. Weiters sitzen dort der Priester, sein Helferlein und die Beistände (zumindest scheint es so). Die gesamte Zeremonie wird in Sanskrit abgehalten, was zur Folge hat, dass niemand weiß was eigentlich geredet wird. Und wenn ich sage niemand, dann meine ich niemand (außer dem Priester und seinem Ministranten). Nicht einmal das Brautpaar weiß, was da eigentlich passiert. Da stelle ich mir natürlich die Frage, ist es dann rechtens den Bund der Ehe einzugehen, wenn man nicht einmal weiß, was man da gelobt?! Zumindest muss man nie „Ja“ sagen, sondern umeinander herumgehen, Geschenke austauschen, Knoten binden… Also alles recht kompliziert. Was uns besonders verwundert ist, dass es nicht wie bei uns in einer Kirche ist, wo jeder andächtig lauscht und sich nicht einmal zu husten traut (in Zeiten von Ebola schon gar nicht), sondern, dass die Festgemeinschaft munter miteinander plaudert, aufsteht, nach draußen geht, sich etwas zu essen holt und immer mal wieder ein Handy klinget – unter anderem das des Priesterhelferleins, und zwar nicht nur ein Mal, sondern gleich zwei Mal. Nach dem ersten Mal schaltet er es nämlich nicht aus oder auf lautlos, nein, er drückt den Anruf einfach weg, sodass es gleich darauf noch einmal läuten kann. Das Highlight an Bizarrheit ist, als Jingle Bells ertönt. Plötzlich sehne ich mich nach meiner Weihnachts-Ohrringe-Sammlung…     
Nach der Zeremonie fahren wir mit Verwandten wieder zurück zum Haus der Braut wo wir Essen mit den Fingern (nur mit der rechten Hand!) aus einem Papier-Bananenblatt essen – vor dem Hintergrund eines kitischigen Altares, von dem wir nicht wissen, wofür er gut ist.







Am nächsten Tag ist Teil zwei der Hochzeit: Das Essen in einem Restaurant. Wieder einmal müssen wir im Taxi darum bangen, dass wir dorthin kommen, denn von gestern auf heute hat man auf Mauritius keine Hausnummern ausgeteilt. Zusätzlich gibt es die Krux, dass es 2 Restaurants mit demselben Namen gibt. Aber da wir wissen, dass wir zu dem „in der Nähe der Polizei“ müssen (ich habe weit und breit keine Polizeistation gesehen), finden wir hin.
Es handelt sich um ein chinesisches Restaurant für eine indisch-mauritianische Hochzeit. Ja, es ist genauso schräg wie es sich anhört. Besonders begeistert sind wir von dem kitschigen Tisch, an dem das Brautpaar sitzt. Das Tischtuch… Ich kann es gar nicht beschreiben… daher hier ein Foto davon: 


Da wir die beiden einzigen Europäer unter den Hochzeitsgästen sind, sind wir wohl die Meistfotografiertesten gleich nach dem Brautpaar. Heute wissen wir schon besser Bescheid wer in welchem Verwandtschaftsgrad zu wem steht und erkennen ein paar Gesichter vom Vortag wider. Namen können wir uns keine merken, geschweige denn aussprechen. Bei den Frauen ist es auch ein bisschen einfacher, denn wie Mrs Branson bemerkt, kann man sich da „von Sari zu Sari“ erinnern.
Wie es sich für eine Feier gehört, gibt es eine indische Band mit einem Sänger und einer Sängerin. Vor allem die Frau bringt uns fast dazu einen Lachkrampf zu bekommen. Mir fehlen die Worte ihren Gesang zu beschreiben. Am ehesten ist er vermutlich mit dem Geräusch zu vergleichen, das eine Hyäne macht, wenn man ihr auf den Schwanz steigt.
Als man zu tanzen beginnt, holt man uns natürlich gleich auf die Tanzfläche. Wir haben keine Ahnung von Bollywood-Dance, aber man ist gerne bereit es uns zu erklären:
„Change the lightbulp and pet the dog.“
Also die rechte Hand in der Luft und die linke nach unten.
Als junge Damen werden wir gleich mal verkuppelt (Mrs Branson’s Freund dürfte davon nicht sonderlich begeistert sein…) und man will uns mit diversem Familienanschluss verheiraten – weil wir so nette Mädels sind.
Die Zusammensetzung der Hochzeitsgesellschaft ist insgesamt sehr interessant. Ich bezweifle stark, dass ich jemals wieder einer Feier beiwohnen werde, auf der Roberto Blanko mit Peppi, eine Mischung auf Fidel Castro und Saddam Hussain, CSI Mauritius und Slumdog Millionaire (welcher der Sohn von CSI Mauritius ist) sind. Ich meine: was für eine Mischung!?
Am Ende der Feier schaffen wir es dann doch uns unverlobt und unverheiratet davonzustehlen und werden von Khan-Zuckerberg nach Hause gebeamt. Gefällt mir.
Am Tag vor unserer Abreise unternehmen wir Adrenalinjunkies noch ein weiteres Abenteuer: Wir fahren zur Nachbarsbucht Blue Bay. Was daran die Herausforderung ist? Das kann ich gerne beantworten: Wir sind mit dem Einheimischen-Bus unterwegs. Wir versuchen uns so gut wie möglich anzupassen – jedoch scheitere ich als Blondine kläglich. Das Vehikel ist etwas ganz Besonderes, welches das Herz von Comicbuchfans höher schlagen lässt: ein Spiderman-Bus. Die Sitzpolsterung ist teilweise herausgerissen, ganze Sessel fehlen und beim Bremsen macht der Bus ein Geräusch als würde er gleich auseinanderbrechen. Überflüssig zu erwähnen, dass dieses Gefährt bei uns nicht als fahrtauglich eingestuft werden würde. Mrs B kann mich aber beruhigen, denn der Bus hat ein Pickerl bis Sommer 2015. Jetzt fühle ich mich sicherer…
 



In Blue Bay ist es zwar traumhaft, aber ich habe die Befürchtung, dass ich zum Schläfer programiert werde. Es gibt dort einen Eiswagen, der den ganzen Tag lang Guten Abend, gute Nacht in Dauerschleife spielt, und zwar in einer Version, welche dem Soundtrack eines Horror-Films alle Ehre machen würde. Ich warte die ganze Zeit darauf, dass ein Psycho-Clown aus der Kanalisation steigt. Wir überstehen den Tag aber unbeschadet. Abgesehen davon, dass wir Eis kaufen. 




Und viel zu schnell vergeht so eine Woche im Paradies und schon müssen wir wieder die lange Heimreise antreten. Dieses Mal wird unser Koffer durchgecheckt und unser London-Heathrow-Trauma ist überwunden.
Als ich am nächsten Tag zu Mittag in Wien ankomme, falle ich nach einer heißen Dusche erschöpft ins Bett. Guten Abend, gute Nacht… „Muss wieder zurück nach Blue Bay uns Eis kaufen, muss wieder zurück nach Blue Bay und Eis kaufen, muss wieder…“       



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