Freitag, 22. Mai 2015

ESC 2, Wie von einem anderen Stern


Der ESC scheint bei mir Migräne auszulösen, denn auch letztes Jahr beim 2. Semifinale habe ich unter Kopfschmerzen gelitten. Offensichtlich kann mein Organismus mit dieser Flut an Bild und Ton nicht umgehen. Daher möge man mir verzeihen, dass der Bericht vom 2. Semifinale weniger ausführlich ist, als jener vom ersten.

Das Spektakel beginnt mit den Outfits des Grauens der drei Moderatorinnen. Miriam trägt eine Hose, die ihre Oberschenkel ausladend zur Schau stellt, Arabella sieht mit ihrem Kleid aus wie ein Alien, der sich mit einer Disco-Kugel gepaart hat und Alice wurde wieder in ein kurzes Etwas gewickelt. Das Ziel der Kostümabteilung dürfte gewesen sein, die drei so unvorteilhaft wie möglich aussehen zu lassen. Und das hat sie erreicht. 12 Punkte!

Der erste Beitrag des Abends macht einen munter:
Litauen präsentiert seinen LSD-Trip inklusive Kuss-Pause. Durch das Kommentar von Andi Knoll lerne ich eine neue „hippe“ Abkürzung: FZ – „fix zamm.“ Aha.

Irland, Playing by Numbers: Walzer Klänge statt Pub-Musik bzw. Riverdance vor einem projizierten goldenen Wald.

San Marino, Chain of Lights: Zwei 16-jährige präsentieren Fahrstuhlmusik – wie jedes Jahr geschrieben von Ralf Siegel. Somit sind wir vom Song Contest zum Kiddy Contest gewechselt. Justin Bieber (mit schwarzem Haar) und seine Teenager Freundin beenden das Lied mit einem traumhaft falschen Schlusston.

Montenegro, Adio: Die Sängerin hat anscheinend Angst vor einer Alieninvasion, denn sie trägt Alufolie im Haar. Um die Performance mit den Worten von CK (Name von der Redaktion abgekürzt) zu beschreiben: „Pina Bausch für Arme.“ Dies geht fließend über in Sirtaki für Arme.

Malta, Warrior: Dies ist das zweite Lied beim diesjährigen Song Contest mit diesem Titel. Es handelt sich um die nächste fade Ballade, die von der Projektion her auf Rise like a Phoenix macht. Das Kleid der Sängerin hat einen Schlitz, bei dem man „bis ham“ sieht. Und die Windmaschine Pyrotechnik dürfen sich austoben.

Norwegen, Monster like me: Auch hier haben wir eine Alienphobikerin mit Alufolie im Haar und ihr Kollege hat vor zum Captain’s Dinner zu gehen (anders kann ich mir den weißen Anzug nicht erklären). Sie trägt ein asymmetrisches Kleid, das so aussieht, als hätte man beim Hintern einen Teil Stoff vergessen.

Portugal, Hà um Mar que nos Separa: Man versucht mit dem Outfit (Schulterpolster und Cape) vom Lied abzulenken, das klingt als wäre es ein zum 4. Mal aufgewärmt worden. Außerdem passt die Latexhose ganz und gar nicht zu dem faden Song.

Tschechische Republik, Hope never dies: Tja, die Hoffnung auf ein gutes Lied beim Song Contest stirbt zuletzt. Zumindest scheine ich Naivchen das noch zu glauben. Aber zurück zum Beitrag: Es handelt sich um ein Lied in Englisch mit tschechischem Akzent. Auch diese Sängerin trägt ein Kleid  inkl. Cape. Am Höhepunkt der Nummer zieht sie sich die Schuhe aus und wirft sie auf die Bühne (in den Zuschauerraum hätte ich amüsanter gefunden). Was das zu bedeuten hat, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Befreiung der Frau? Ein Statement zum Schuh-Eklat in Cannes? Aschenputtel für Arme?

Israel, Golden Boy: Balkan-Rock von Boyband mit einem Sänger, der goldene Hermes-Schuhe trägt (mit goldenen Flügel seitlich und nicht von der Modemarke). Das Lied beginnt mit den Worten „Mama“… Song zum Mithüpfen, das der Bühne alles an Pyrotechnik abverlangt.

Lettland, Love injected: Die Sängerin sieht aus wie direkt von der Enterprise gebeamt. Für ihr Kleid wäre ein Busen von Vorteil, die Handbewegungen hat sie sich von Loreen (Euphoria) abgeschaut und das Lichtdesign von Rise like a Phoenix. Ich habe bis dato nicht gewusst, dass Haare eckig aussehen können. Sie können – auch eine Leistung! Wie lange können 3 Minuten dauern?! Und nun weiß ich endlich wieso viele andere Teilnehmerinnen Alufolie im Haar haben: Sie haben Angst vor dieser Sängerin. Verständlich.

Aserbaidschan, Hour of the wolf: Hierbei handelt es sich um Fans der Serie Game of Thrones, welche vor einem Vollmond Werwölfe heraufbeschwören. Ich denke, das soll das „Getanze“ darstellen. Ach ja, einen „netten Durwechsel“ hat das Lied auch.

Island, Unbroken: Die Sängerin sieht aus wie eine 12-jährige Fee, die sich barfuß auf der Bühne bewegt. Ich muss gestehen, ich bin ein bisschen enttäuscht. Ansonsten hat Island immer recht … schräge… Beiträge.

Schweden, Heroes: Dieses Lied ist eines der Favouriten. Wieso? Keine Ahnung, vielleicht, weil der Sänger hübsch aussieht. Gekleidet ist der Herr ganz leger und begleitet wird er von Strichmännchen auf der Projektion. Eines muss man ihm lassen: Er steht brav auf seinen Markierungen, sonst würde das mit den Projektionen nicht funktionieren. Abgesehen davon kann das Lied nix. Nej tack.

Schweiz, Time to fly: Hierbei handelt es sich um Fledermaus-Cape-Gothic-Queen. Ich glaube ich stehe im Wald (sie nämlich auch). Ach ja, Trommeln gibt es auch. Aber dann: sie reißt sich das schwarze Cape von den Schultern  und trägt darunter ein weißes Kleid mit einem Schlitz („bis ham“). Und dann ist das Lied aus… oder doch nicht…

Zypern, One thing I should have done: Der Sänger macht auf Nerd-Brille, 3 Tage-Bart und Anzug. Als das Bild von Schwarz-Weiß auf Farbe wechselt wird man daran erinnert, dass farblos manchmal doch besser ist. Das Lied ist schlicht, und irgendwie finde ich es sogar ganz nett.

Slowenien, Here for you: Frau mit sinnlos-Kopfhörer, die ein weißes Häkeltischtuch trägt (meine Oma hatte genauso ein Tischtuch) und eine „Tänzerin“ die so tut, also würde sie Geige spielen. Luftgeige scheint die neue Luftgitarre zu sein.

Polen, In the name of love: Celine Dion Verschnitt vor Kirschblütenprojektion in weißem Cape. Um wieder CK zu zitieren: „Die Fahnen im Hintergrund passen sich den Schleppen der Sängerin an.“ Da waren die fidelen, halbnackten Waschweiber vom letzten Jahr amüsanter.

Und das war es auch schon wieder mit den Beiträgen. Und nun die Finalisten:

Litauen: LSD
Polen: Celine Dion
Slowenien: Häkeldeckchen
Schweden: Strichmännchen
Norwegen: Alufolie und Captain’s Dinner
Montenegro: Pina Bausch für Arme
Zypern: Nerd-Brille
Aserbaidschan: Werwölfe im Mondlicht
Lettland: Alieninvasion
Israel: goldener Paketdienst

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