Freitag, 10. Januar 2014

London für Freaks - Ein Reisebericht, Tag 1



Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt, und das bedeutet: Wir haben alle unsere Neujahrversätze bereits vergessen. Gut, dass ich nie welche hatte, sodass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich sie nicht einhalte. 

Da mein Leben prinzipiell ohne Planung verläuft, ergab sich kurzfristig die Gelegenheit ein paar Tage in London zu verbringen. Alleine ist es aber nur halb so lustig, also habe ich mit durch den Kopf gehen lassen, wer sich denn als Reisegefährte eignen würde. Nach langen Überlegungen (ca. 30 Sekunden) und genialer Überredungskunst meinerseits („Hast du Lust mit nach London zu fahren?“ – „Ja, sicher!“), war die Begleitung in Form von Barbara Branson (Name von der nicht vorhandenen Redaktion geändert) gesichert. Ohne Neujahrsvorsätze im Gepäck haben sich dann Mrs Branson und ich Anfang Jänner für 4 Tage in die Hauptstadt des Regens aufgemacht. 

Sowohl Barbara als auch ich waren schon in London gewesen, weswegen wir uns einig waren, dass wir die typischen Touristen Hotspots auslassen konnten, und Zeit hatten uns auf das wahre London zu konzentrieren: Das London der Fernseh- und Serienfreaks. Bewaffnet mit einer Karte aus einem Buch über Drehorte von Filmen in London und einigen selbst recherchierten Unterlagen machten wir Londons Straßen unsicher.  Um 4 Uhr morgens aufgestanden zu sein, tat unserer Stimmung keinen Abbruch– zumindest so lange nicht, bis wir um 21 Uhr in einen komatösen Schlaf verfielen. 

Unser Trip wurde allerdings schon vor dem Abflug fast vereitelt, und Schuld daran war ein bösartiger Stiefel! Genauer gesagt MEIN bösartiger Stiefel. Als es bei mir bei der Sicherheitskontrolle piepste, wurde ich von den Beamten in typisch wienerischer Freundlichkeit gebeten, mich in ihre Obhut zu begeben: „Hände ausstrecken. Hinsetzen. Schuh ausziehen!“ Ein „Bitte“ war nicht einmal zwischen den Zeilen zu erahnen. Nachdem mein böser Stiefel dann eine Runde alleine durch das Röntgengerät gefahren war und sich bestätigt hatte, dass sich keinerlei Inspector Gadet – Utensilien darin befanden, stand der Abreise nichts mehr im Wege.  
Unsere Route am ersten Tag führte uns zuerst zum Krankenhaus St. Bartholomew‘s. Nein, es ist uns Gott sei Dank nichts zugestoßen, aber dieses 1123 erbaute Gebäude spielt in den Filmen Shakespeare in Love und Four Weddings and a Funeral mit – genauer gesagt die dazugehörige Kirche St. Bartholomew‘s the Greater. Was ich sehr gemein finde, ist, dass die Kapelle St.
Bartholomew‘s the Lesser heißt. Die Kirche liegt übrigens an der Straße Little Britain.:-) 


Aber das Krankenhaus spielt auch in der Literatur eine wichtige Rolle. Dort beginnt 1887 in A Study in Scarlet die lebenslange Freundschaft von Sherlock Holmes und Dr. John Watson. Da wir hier aber nicht auf hochkulturellen literarischen Spuren, sondern prolatariatskulturellen Fernsehspuren wandelten, haben wir den Ort wegen seiner Rolle in der Fernsehserie Sherlock besucht. In der letzten Folge der zweiten Staffel stürzt sich unser soziopathischer Consulting Detective nämlich dort vom Dach der Pathologie. Man glaubt es kaum, aber wir waren nicht die einzigen, die den „Tatort“ besichtigten, denn auch andere Fans fotografierten den Schriftzug, und die Stelle, von wo aus John zusehen muss wie sein Freund in den (vermeintlichen) Tod springt. 

St. Bartholomew's The Greater


Der "berühmte" Establishing Shot von St. Barts.


 Der "Tatort".




Besonders amüsant fand ich, dass die schmutzigen Fensterscheiben von St. Barts (wie es liebevoll genannt wird) übervoll mit Fanbotschaften waren. Von „I am Sherlocked“ über „I believe in Sherlock“ bis „Please, don’t be dead!“ Auch die Telefonzelle am Gehsteig war vor Fanangriffen nicht gefeit. Diese war übervoll mit Zitaten und Liebesbekundungen. 

Das Fanfenster.


Die Fanzelle... "Please DO jump out of a cake, Ben!" (Benedict Cumberbatch, der Darsteller der Sherlock Holmes)



Nachdem wir ein bisschen vor dem Regen flüchten mussten, fanden wir an der U-Bahn Station einen winzigen Laden (und wenn ICH winzig sage, dann soll das was heißen!) mit Cupcakes und Brownies, in den wir eingefallen sind.
Den restlichen Tag haben wir mit meiner lieben Freundin Megan verbracht, die so nett war, mit uns London zu Fuß zu erkunden (und das, nachdem wir seit 4 Uhr morgens auf deinen Beinen waren!). Die Strecke führte von der Liverpool Station über die Themse zum Haus von Bridget Jones (ja, wir standen am selben Platz wie Colin Firth!), vorbei am National Theatre (eines der wohl hässlichsten Gebäude in ganz London – dennoch würde ich gerne dort arbeiten), dem Graffiti-Set von Sherlocks The Blind Banker,  über die Themse zurück ans andere Ufer. 






Als besonderes Highlight danach möchte ich hier den Besuch bei Hamleys hervorheben. Dies ist ein mehrstöckiges Spielzeuggeschäft, wie man es aus Filmen kennt. Wieso will man in Städten in langweilige Kunstgallerien gehen, wenn man sich in einem Spielzeuggeschäft vergnügen kann? Und dort bei Hamleys habe ich meine Berufung gefunden: Ich werde dort Verkäufer. Wieso? Die Damen und Herren werden dafür bezahlt, dass sie mit Spielzeug spielen – kein Scherz! Ihre Aufgabe ist es diverse Spielzeuge (von Helikopter bis hin zu 3-farbigen Filzstiften) vorzuführen. Bei mir wäre dann wohl eher der Fall, dass ich keines der Kinder mehr damit spielen lassen würde, weil ich selbst so viel Spaß daran hätte. Und sozial wie ich bin, habe ich mir dort auch schon einen neuen Freund gefunden (NEIN, er ist kein Ersatz für Ogopogo!):




Nach ca 7-stündigem Fußmarsch quer durch die Stadt, haben wir uns dann doch auf den Weg zum Hotel gemacht, um unser Zimmer zu beziehen. Uns erwartete ein kleines Doppelzimmer mit Badezimmer. Badezimmer konnte man es eigentlich nicht nennen. Um Barbara zu zitieren: „eine Nasszelle“ traf es eher. Aber wieso sollten wir uns darüber beschweren, dass wir uns gleichzeitig duschen, Zähne putzen und auf die Toilette gehen konnten? Ist doch sehr praktisch gedacht… Aber beim Blick an die Wand über Barbaras Bett, wurde das Zimmer in gleißend helles Licht getaucht und ein himmlisches „Aaaahhhh!“, ertönte in unseren Ohren. Hatten wir uns beim Hinflug schon groß darüber Gedanken gemacht, wie wir unsere englischen Freunde dazu bekommen könnten uns am Sonntag von 20:30-22:00 Uhr einzuladen, um Sherlock zu schauen, war dieses Dilemma nun gelöst: Wir hatten einen Fernseher mit BBC1!



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