Dienstag, 11. Dezember 2012

Die meistverkaufte DVD 2012

Bei der meistverkauften DVD von 2012 handelt es sich (passend) um die Endzeit-Twilight-Version The Hunger Games. Der Film beruht auf dem ersten von 3 Büchern mit dem gleichen Namen. Bei uns besser bekannt unter dem Titel Die Tribute von Panem.
Kurz zum Inhalt: The Hunger Games sind eine Reality Show, die vom Capitol abgehalten wird, in dem jeweils 2 Kinder jedem der (zu Beginn) 12 Districts teilnehmen müssen. Die Teilnehmer heißen Tributes, daher der deutsche Name. In einer Arena müssen die Tribute gegeneinander antreten und ganz Panem (So der Name des Landes, Ortes, Kontinents… wer weiß das schon? Ach ja, habt ihr schon den den Wortwitz mitbekommen: The Hunger Games und Panem et Circenses!) sieht zu. Aber in der Reality Show batteln sie sich nicht in Gesang oder treten gegen Stefan Raab an, nein, sie kämpfen gegeneinander auf Leben und Tod.
Latent schwingt dabei Kritik gegenüber unserer Mediengesellschaft mit, die allerdings entweder so latent ist, dass man sie suchen muss, oder mit dem Holzhammer daherkommt.
Im Urlaub habe ich die 3 Bücher gelesen und war insgesamt 200 Seiten lang mitgerissen. Ein Buch über das Thema hätte völlig gereicht. Drei sind 2 zu viel. Beim Großteil der Bücher habe ich festgestellt, dass ich einfach zu alt dafür bin. Da geht es nun doch wieder um ein Mädchen, das von zwei gutaussehenden Typen angehimmelt wird. Die meiste Zeit verbringt sie mit dem Kerl, mit dem sie am Ende doch nicht zusammenkommt. Apropos Ende: Da wartet man drei Bücher lang auf die große finale Schlacht, und dann… Blackout – im wahrsten Sinne des Wortes, und man verbringt den Rest mit dem inneren Monolog eines pubertierenden Mädchens.
Nun aber endlich zum Film: Dieser beginnt mit einer zu lesenden Erklärung was The Hunger Games sind – Schließlich schaut man sich eine Literatur-Verfilmung an. Danach folgen Einstellungen, wie man es bei einer Reality Show erwarten würde: Interviews der Teilnehmer. Weiß man in den Büchern von Anfang an von der Bedrohung, die von der Regierung ausgeht, hat man im Film zu Beginn nicht das Gefühl, dass jemand in Gefahr ist: Die Protagonistin Katniss joggt gemütlich Richtung Wald und klettert durch den Zaun – sieht überhaupt nicht lebensgefährlich aus, was es aber ist. Alle in District 12 sind dreckig, nur Katniss nicht. Es ist schön zu sehen, dass sie zwar so arm ist, dass sie und ihre Familie sich nichts zu essen leisten können, aber für Schminke genug da ist. Die Handlung spielt in der Zukunft, und doch sieht alles irgendwie nach 70er Jahre aus. Soll das eine dezente Kritik an unserer Retro-Kultur sein? Ich denke nicht.
Was das Casting betrifft: Josh Hutcherson spielt Katniss Mitstreiter, und während ich ihn ansehe, weiß ich, wieso ich schon im Buch für den anderen Typen war. Präsident Snow ist in den Büchern immer wieder beschrieben, dass er aussieht wie eine Schlange. Im Film sieht Donald Sutherland eher aus wie der nette Opa. So wie die Leute in der Hauptstadt geschminkt sind, glaube ich, Marilyn Manson irgendwo in der Menge erblickt zu haben. Unter Haymitch – ihrem Mentor – stellt man sich eine ungustiöse Saufnase vor. Saufnase ja, ungustiös nein. Wenn man ihm auch Make-up verpassen würde, dann wäre er mit seinen blonden Haaren und den blitzblauen Augen leicht der bestaussehenste im ganzen Film – und dabei handelt es sich um Woody Harrelson!!! Bei ihm wirkt das Trinken irgendwie… cool. Tolle Vorbildwirkung für einen Film, den fast ausschließlich Jugendliche anschauen! Ich hoffe auf Finnik im 2. Teil, aber so wie’s aussieht wird es der Willi von Snowwhite and the Huntsman.
Im Grunde geht es ja nur um ein Mädchen, das zwischen 2 Männern (Burschen) steht. Für wen wird sie sich entscheiden? Für das Waserl von Kuchenbäcker, oder den starken Revolutionsführer? Hm… nein, es ist nicht derjenige, für den wir uns alle entscheiden würden.
Leider ist die Umsetzung des Buches in Bilder völlig voraussichtlich und wenig innovativ. Man kann sogar vorhersagen, wann es einen Flashback geben wird. Nach gut einer Stunde findet der Titel des Filmes Zugang zu meinen Synapsen und ich bekomme Hunger. Ich beschließe, dass ich mich vor dem Weltuntergang besser anessen sollte, als mir den Film zu ende anzuschauen.
Menschen nach uns: nein, dies ist keine Dokumentation über Reality-Shows in unserer Zeit! Auch wenn gewisse Formate mehr als bedenklich sind, so weit waren wir selbst kurz vor dem Untergang nicht!

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